Aktuelles 26.08.2026

Autonomes Fahren: DVR fordert Sicherheitsnachweis in der Praxis

Veröffentlicht
26. August 2026
Kategorie
Verkehrsnews

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sieht im autonomen Fahren eine große Chance für die Verkehrssicherheit. Voraussetzung ist aus seiner Sicht, dass fahrerlose Fahrzeuge im realen Betrieb dauerhaft ein deutlich höheres Sicherheitsniveau erreichen als konventionelle Fahrzeuge. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.

Nach verschiedenen Forschungs- und Erprobungsprojekten geht die Entwicklung in Deutschland zügig in Richtung regulärer fahrerloser Mobilitätsdienste. Laut DVR-Präsident Manfred Wirsch können fahrerlose Systeme Unfallrisiken deutlich verringern und so zur Vision Zero beitragen, einem Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte. Vor der Aufnahme des Regelbetriebs fordert der DVR einen grundlegenden Sicherheitsnachweis für das jeweilige Fahrzeug unter Realbedingungen. Dieser Nachweis muss sich auch auf den vorgesehenen Betriebsbereich beziehen. Ebenso wichtig ist nach Wirsch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technik: Betriebs- und Ereignisdaten sollen fortlaufend ausgewertet und die Systeme stetig verbessert werden, um schwere und tödliche Unfälle weiter zu reduzieren.

Fahrerlose Systeme müssen insbesondere Kinder, ältere Menschen, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Rad-, Kraftrad- und E-Scooter-Fahrende zuverlässig erkennen. Ihnen gegenüber sollen sie sich regelkonform, vorhersehbar und defensiv verhalten. Für Gefahrensituationen müssen außerdem klare und praxiserprobte Abläufe festgelegt sein. Dazu gehören eine verlässliche Kommunikation zwischen Fahrgast und Leitstelle sowie eine eingespielte Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten.

Für eine belastbare Bewertung der Verkehrssicherheit sind aussagekräftige Sicherheitsdaten unverzichtbar. Unfälle und sicherheitsrelevante Ereignisse, etwa das Überfahren roter Ampeln, Betriebsunterbrechungen des autonomen Fahrens oder manuelle Ferneingriffe durch die Leitstelle, müssen eindeutig Fahrten mit aktivierter automatisierter oder autonomer Funktion zugeordnet werden können. Die entsprechenden Informationen sollen gespeichert und für die Unfallforschung nutzbar gemacht werden. Sicherheitsrelevante Softwareupdates müssen nachvollziehbar dokumentiert und für die zuständigen Behörden überprüfbar sein. Datenschutz und Cybersicherheit sowie regelmäßige Wartung und unabhängige technische Prüfungen bleiben über die gesamte übliche Lebensdauer des Fahrzeugs unerlässlich.

Zugleich warnt der DVR vor überzogenen Erwartungen an die Leistungsfähigkeit autonomer Systeme. Auch wenn autonome Fahrzeuge in vielen Situationen zuverlässiger reagieren als Menschen, unterliegen sie physikalischen Gesetzen. Zu den besonderen technischen Herausforderungen gehören Situationen mit sehr kurzen Reaktionszeiten, ungewöhnliches menschliches Verhalten, Regelverstöße anderer Verkehrsteilnehmender sowie Manipulation oder fehlerhafte Ausrichtung von Sensoren.

Quelle: Deutscher Verkehrssicherheitsrat, Autonomes Fahren muss Sicherheitsgewinne in der Praxis nachweisen, 26.08.2026

Foto: Sam auf Unsplash

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