Aktuelles 16.10.2026

Notrufsäulen an Autobahnen stehen auf dem Prüfstand

Veröffentlicht
16. Oktober 2026
Kategorie
Verkehrsnews

Die rund 17.000 Notrufsäulen entlang der deutschen Autobahnen könnten langfristig reduziert oder abgeschaltet werden. Die Autobahn GmbH des Bundes untersucht derzeit, ob das System angesichts stark rückläufiger Nutzungszahlen noch in seinem heutigen Umfang notwendig ist. Eine endgültige Entscheidung ist bislang nicht gefallen.

Die orangefarbenen Säulen stehen seit Jahrzehnten etwa zwei Kilometer voneinander entfernt an den Autobahnen. Verkehrsteilnehmer können über sie bei Pannen oder Unfällen Hilfe anfordern. Smartphones und automatische Notrufsysteme in Fahrzeugen lassen ihre Bedeutung allerdings zunehmend schwinden. Neben der nahezu flächendeckenden Nutzung von Mobiltelefonen gilt das automatische Notrufsystem eCall als ein Grund für den Rückgang. Es kann nach einem Unfall selbstständig oder manuell eine Verbindung zur Notrufnummer 112 herstellen.

Die Zahlen zeigen die Entwicklung deutlich: Im Jahr 2009 gingen noch rund 167.000 Meldungen über die Notrufsäulen ein, 2023 waren es nur noch rund 30.000. Das System verursacht weiterhin Kosten für Betrieb, Wartung, Instandhaltung und die Notrufzentrale. Die Autobahn GmbH beziffert diese Ausgaben für 2025 auf rund 4,5 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es etwa 8,2 Millionen Euro. Nun wird geprüft, ob sich durch Veränderungen am System Kosten einsparen lassen, ohne dass das Niveau der Verkehrssicherheit leidet. In den Niederlanden und in Dänemark wurden Notrufsäulen an Autobahnen wegen geringer Nutzung bereits abgeschafft.

In Deutschland gibt es Widerstand gegen eine mögliche Abschaltung. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die Deutsche Verkehrswacht weisen darauf hin, dass die Säulen unabhängig von Mobilfunkempfang und Akkustand funktionieren. Aus Sicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft können sie vor allem für ausländische Verkehrsteilnehmer weiterhin wichtig sein, auch für internationale Lkw-Fahrer auf deutschen Autobahnen. Trotz sinkender Nutzung werden über die Säulen weiterhin jedes Jahr Tausende Hilfeersuchen abgesetzt.

Der ADAC hält eine Abschaltung wegen der technischen Überalterung des Systems grundsätzlich für nachvollziehbar. Voraussetzung sei jedoch, dass zuvor bestehende Lücken in der Mobilfunkversorgung entlang der Autobahnen geschlossen werden. Notrufanlagen in Tunneln nehmen eine Sonderstellung ein: Sie sollten nach Einschätzung des Automobilclubs langfristig erhalten bleiben.

Für die Entscheidung dürfte vor allem eine Frage ausschlaggebend sein: Können Smartphone, Mobilfunk und eCall das heutige Notrufsäulennetz zuverlässig ersetzen, ohne dass Verkehrsteilnehmer bei Pannen oder Unfällen schlechter oder langsamer Hilfe erhalten?

Quelle: VerkehrsRundschau, Notrufsäulen an Autobahnen stehen auf dem Prüfstand, 16.10.2026

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