45 Prozent der Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer haben in den vergangenen zwei Jahren auf Landstraßen mindestens einmal eine kritische Situation erlebt, in der ein Unfall nur knapp vermieden wurde. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) unter 501 Motorradfahrenden. Sie wurde zum Start der Kampagne Hartes Pflaster: Landstraße veröffentlicht.
Sieben Prozent der Befragten waren innerhalb der vergangenen zwei Jahre an mindestens einem Landstraßenunfall beteiligt. 89 Prozent wissen, dass sich die meisten tödlichen Motorradunfälle auf Landstraßen ereignen, dennoch empfinden 72 Prozent das Fahren auf Landstraßen als sicher. DVR-Präsident Manfred Wirsch sagt, Menschen neigten dazu, das eigene Risiko zu unterschätzen. Routine und Selbstvertrauen seien beim Motorradfahren wichtige Begleiter, aber keine Lebensversicherung.
Die Gruppe beeinflusst das Fahrverhalten. 68 Prozent der Befragten stimmen zu, dass manche Bikerinnen und Biker in der Gruppe riskanter fahren; bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 76 Prozent. 15 Prozent finden, dass das Eingehen von Risiken zum Motorradfahren dazugehört, in der Altersgruppe von 18 bis 39 Jahren 23 Prozent. 26 Prozent geben an, dass deutlich vorsichtigeres Fahren in einer Motorradgruppe schnell negativ auffällt. Wirsch sagt, wahres Können zeige sich darin, die eigenen Grenzen zu kennen und den Mut zu haben, das eigene Tempo zu fahren.
Als Gefahren nennen die Befragten besonders häufig einen schlechten Straßenzustand (93 Prozent), nasse oder glatte Fahrbahnen (91 Prozent) sowie Wildwechsel oder andere Hindernisse auf der Fahrbahn (90 Prozent). Kurvige Straßen sehen nur 56 Prozent als Risiko. Dabei zeigen die Unfallzahlen, dass das Kurvenfahren für Motorradfahrende besonders risikobehaftet ist. Wirsch sagt, in Kurven gebe es keinen Raum für Übermut. Nur wer Kurven mit der nötigen Vorsicht durchfährt, komme sicher zu Hause an.
32 Prozent der Befragten werden ungeduldig, wenn sie hinter langsameren Fahrzeugen herfahren müssen; bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 47 Prozent. 17 Prozent räumen ein, dichter aufzufahren, als es für einen sicheren Abstand erforderlich wäre; in dieser Altersgruppe sind es 26 Prozent. 88 Prozent sind überzeugt, dass Fahrsicherheitstrainings helfen, kritische Situationen beim Motorradfahren zu vermeiden. Dennoch haben 57 Prozent noch nie an einem solchen Training teilgenommen. Von den Motorradfahrenden, die jährlich mehr als 5.000 Kilometer zurücklegen, hat mehr als die Hälfte ein Training absolviert; bei unter 3.000 Kilometern ist es rund ein Drittel.
Die Kampagne startet am 20. Juli 2026 mit vier Plakatmotiven, die typische Gefahrensituationen auf Landstraßen aufgreifen. Sie wird vom DVR gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung umgesetzt und richtet sich an Motorradfahrende und alle anderen Verkehrsteilnehmenden auf Landstraßen. Ergänzend kommen eine Videoserie, Radiospots, Social-Media-Maßnahmen und Kooperationen mit Influencerinnen und Influencern zum Einsatz. Online ist sie unter www.sichere-landstrasse.de abrufbar.
Quelle: Deutscher Verkehrssicherheitsrat, Kampagne „Hartes Pflaster: Landstraße“ mit Forsa-Umfrage zu Beinahe-Unfällen von Motorradfahrenden, 20.07.2026
